Die Entdeckung
Wir hatten keine paar Wochen plagiat.ch am Start, da passierte es: wie jeden Tag durchforsten wir unsere Webstatistik von fruehjahr.ch nach neuen Überraschungen. Plötzlich sehen wir verdächtige Error-Einträge (404 Not found) von CSS-Bildern und sonstigen Dateien. Nanu, wir haben ja gar nix an unserer Seite gebastelt, dachten wir uns. Plötzlich sehen wir ein neuer Referrer-Eintrag einer Website von Deutschland. Alleine der plumpe und billige Name lässt uns neugierig die Seite besuchen. Und dann staunen wir nicht schlecht: eine 1:1-Kopie unserer Seite, leicht umgefärbt von grün nach blau. Quelltext, Design ja sogar die Fotos haben die einfach von uns rutergesaugt und ein Joomla-Template daraus gebastelt. So sah das dann im Vergleich aus:

Der erste Vergleich...

Die Analyse
Wir untersuchten natürlich flugs den Quellcode: alles wurde 1:1 übernommen, die DIVs hiessen gleich, der Inhalt der CSS-Datei war identisch, ja sogar die z.T. eigens geschriebenen JavaScripts wurden heruntergesaugt und wiederverwendet. Lediglich der im Quellcode platzierte Hinweis in Kommentarform, sowie der entsprechende Meta-Tag bezüglich des Copyrights fanden wir nicht mehr in der Kopie unserer Seite. Bald einmal entdeckten wir auch unsere Fotos, welche wir eigens für unsere Website bei uns im Studio fotografiert hatten – in leicht abgeänderter Version. Fazit – folgende teile unserer Website wurden zu einer kompletten Kopie verwendet:

  • Gestaltung
  • CSS-Definitionen
  • XHTML-Quellcode
  • JavaScripts
  • Fotos

Was tun – die erste Ratlosigkeit
Man las schon viel über kopierte Websites. Mal musste Manuela Hofmann dran glauben, mal war es Wolfgang Bartelme. Meistens ist der Ablauf der, dass die Seiten schnell wieder verschwinden, sobald die Geschichte auffliegt. Wer weiss wieviele Kopien unentdeckt sind?

Nun, wir waren ratlos, wie wir vorgehen wollten. Nur in einem Punkt war sich das frühjahr-Team sicher: ungeschoren sollen die dreisten Plagierer nicht davonkommen. Vor allem nicht, da sie billige Dienstleistungen im Webbereich anbieten. Nicht dass sie eine Konkurrenz für uns darstellen würden. Vielmehr möchten wir nicht igrendwelche Rankingverluste deswegen bei Google riskieren. Oder dass unsere Kunden meinen, wir hätten zuletz das Design von denen kopiert.

Was taten wir? Nun, wir schrieben einige Blogrfeaks per Mail an und baten um Tipps, resp. um Erfahrungsberichte. Zudem wandten wir uns an eine Awältin aus dem Bekanntenkreis, welche auf Europäisches Urheberrecht spezialisiert ist. Zudem liessen wir uns (grob telefonisch) von einer Anwaltskanzlei kurz beraten, welche auf Internetrecht spezialisiert ist (herzlichen Dank an XXX).

Erste Ausgangslage und die Ernüchterung
So erhielten wir viele Feedback, PDFs, Links und Informationen. Mit dem Resultat, dass wir verschiedene Meinungen und Anweisungen erhielten. Der O-Ton war eher ernüchternd: schwierig, da in der Schweiz andere Gesetze gelten als in Deutschland. Es gibt z.B. Unterschiede, was den „künstlerischen Anspruch“ anbelangt. Auch der Quellcode einer Website (inkl CSS) gilt nicht als Programm, da er lediglich eine Seitenbeschreibungssprache ist und kein Programm, welches abläuft. JavaScript hingegen ist da schon geschützter. Fotos jedoch sind sowieso geschützt. Und genau da setzten wir an:

Mit Hilfe eines von einem Berufskollegen (Max Henschel) zur Verfügung gestellten Briefes, schrieben wir den Jungs in Deutschland ein Brief mit einer Rechnung für die Nutzungsrechte der von uns verwendeten Fotos. Im Detail war die Rechnung für die Nutzungsrechte seit der Aufschaltung bis Ende des damals aktuellen Monats (insgesamt für ca. 3-4 Wochen). Wir schickten also unser Schreiben eingeschrieben nach Deutschland.

EIn paar Tage später erhielten wir eine Nachricht per Mail:

Ihr Anschreiben vom 06.11.2007

Sehr geehrte Damen und Herren,
Sehr geehrter Herr Worni,

bezugnehmend auf Ihr Schreiben „Nutzungsrechte Fotos www.fruejahr.ch“ vom 06.11.2007,
möchten wir Ihnen mitteilen, dass wir unwissentlich handelten.

Wir lassen gerade durch unseren Anwalt prüfen in wie weit hier eine Rechtsverletzung vorliegt, da es in Deutschland eine Impressumspflicht gibt. Leider haben wir auf Ihrer Internetseite kein Impressum vorgefunden und somit auch keinen Copyrightvermerk, bzw. die genaue Rechtslage zur Nutzung der Bilder und weiteren Medien.
Wir bitten Sie hierfür vielmals um Entschuldigung, da wir wie oben bereits erwähnt keine bösen Absichten haben, wurde unsere Seite sofort entfernt.

Wir würden uns freuen, wenn wir die Angelegenheit außergerichtlich klären könnten.

Unsere Internetpräsenz ist erst seit November online, eine frühere Präsentation
von www.xy-yx.de gab es nicht, es handelt sich hierbei um eine sich noch im Aufbau befindliche Seite welche bisher nicht vermarktet wurde und auch noch gar keinen Bekanntheitsgrad aufweisen kann.

Wir sind bereit im Zuge einer gütlichen Einigung eine Schadensersatzzahlung vorzunehmen.
Wäre hierbei aber ein Entgegenkommen Ihrerseits möglich?

Wir möchten nochmals darauf hinweisen, dass wir in keinerlei Hinsicht mutwillig eine Rechtsverletzung begehen wollten und deswegen auch sofort Ihrer Bitte nachkamen und die Seite vom Netz nahmen.

Erwartungsvoll und mit freundlichen Grüßen verbleiben,

XY & YX

Aha, also wer kein Impressum hat, der stellt seine Arbeit kostenlos zum Wiederverwenden ins Netz. In Deutschland wird ja viel Übel mit der Impressumspflicht betrieben. Nur ist die Schweiz nicht in der EU und somit besteht bei uns keine Impressumspflicht. Abgesehen davon hat das Impressum auch kein Zusammenhang mit dem Urheberrecht.

Nun, glücklicherweise hatten wir soviel los bei frühjahr, dass wir nicht auf dieses E-Mail sofort antworten konnten. Mit der Folge, dass uns bald darauf per Post (eingeschrieben) ein Brief von einem deutschen Anwalt erreichte. Der Anwalt wies auf die Unwissenheit der beiden jungen Herren hin (was absoluter Quatsch ist) und auf das Fehlen unseres Impressums. Und er bat um eine Reduzierung unserer Rechnung um 2/3. Da uns daran gelegen war, die Sache zu einem guten Ende zu bringen willigten wir ein (per Mail) und waren froh, dass wir die Geschichte aussergerichtlich regeln konnten.

Ende gut alles gut? Fast. Wären wir nicht wachsamer geworden, wäre uns auch nicht 3 Monate später diese Seite aufgefallen:
China vs. frühjahr

Die Seite ist aktuell noch unter www.phoenixcrafts.cn erreichbar, wir überlegen uns noch, was wir diesmal unternehmen.

PS: demnächst hier auf Plagiat.ch hilfreiche Tipps zum Thema „Wie vermeide ich ein Plagiat meiner Website?“. Also dranbleiben!